Nach der Wahl ist Krise
Industrie verschiebt Jobabbau
Nach der Wahl wird Tacheles geredet. Von oben. Dann fliegen all jene auf die Straße, die aus Managersicht bereits jetzt überflüssig sind, im Moment aber noch über Kurzarbeit oder sonstige Vereinbarungen im Job gehalten werden. Was viele vermutet haben, bestätigte nun Konzerchef Hakan Samuelsson. In der Financial Times Deutschland vom Montag sagt der MAN-Vorstandsboß: »Deutschland ist momentan vor Veränderungen sicher. Aber nach der Wahl wird sich die Botschaft ändern.« Es gebe, so die Zeitung mit Verweis auf mehrere Spitzenmanager, eine Art Stillhalteabkommen zwischen Wirtschaft und Regierung. Dies verhindere einen größeren Arbeitsplatzabbau. Bis nach dem 27. September.
Zahlreiche Linke und Gewerkschafter hatten seit Krisenausbruch immer wieder geargwöhnt, daß das dicke Ende wohl nach der Wahl zum Bundestag kommen werde – was CDU und SPD stets zu empörten Dementis veranlaßte. Nun sagen Journalisten mit Zugang zu den Entscheidern der Deutschland AG, daß es genau so sei. Das gibt Grund zur Besorgnis.
Es geschieht nicht oft, daß derartige Deals zugegeben werden. Wenn doch, dann mit Absicht. So dürfte es allmählich an der Zeit sein, die Menschen darauf einzustellen, daß Deutschland keineswegs vor Veränderungen sicher ist. Vielleicht sollen sie auf jene Blut-Schweiß-und-Tränen-Reden vorbereit werden, mit denen die Rechnungen aus Bankenkrise und Rezession dem Volk präsentiert werden. Da kann ein wenig Einstimmun nicht schaden.
Zwar profitieren seltsamerweise CDU und FDP von der politischen Agonie, die derzeit den Großteil der Bevölkerung erfaßt zu haben scheint. Dieser Zustand wird nicht ewig dauern. Spätestens wenn die personellen »Überkapazitäten« ungeniert und ohne Rücksicht auf eine genehme Regierung beseitigt werden, dürften auch die Sommerferien im Klassenkampf beendet sein.
mehr in der junge Welt:
http://www.jungewelt.de/2009/08-25/042.php






