Im Dienst der Verbraucher
Wo Rating meist funktioniert: Seit 1964 ist die Stiftung Warentest für viele Konsumenten unverzichtbarer Lotse durch den Produktdschungel
Der Verbraucherschutz hat in den vergangenen Jahren in Deutschland deutlich an Bedeutung gewonnen. Dies ist zum einen Organisationen wie Greenpeace oder foodwatch, aber auch den Verbraucherzentralen der Länder und ihrem Bundesverband zu verdanken, die unermüdlich Aufklärung über mit Giften belastete Lebensmittel, vergammeltes Fleisch, gefährliche Spielzeuge und andere Unerfreulichkeiten des Warenangebots betreiben. Auch sind sie oft Träger von Kampagnen für bessere Rahmenbedingungen des Verbraucherschutzes. Doch keine dieser Institutionen hat in den vergangenen Jahrzehnten eine derartige Bedeutung für die Konsumenten erlangt wie die 1964 vom Bundestag ins Leben gerufene Stiftung Warentest. Diese ist zwar laut Satzung zu (verbraucher)politischer Neutralität verpflichtet, ihre Veröffentlichungen haben aber seit Jahrzehnten beträchtliche Auswirkungen auf das Konsumverhalten. Mitte Januar veranstaltete die Stiftung eine Arbeitstagung für interessierte Journalisten, um einige Einblicke in ihre Arbeitsweise zu ermöglichen.
Das wichtigste Kapital der Stiftung, in deren Berliner Firmensitz rund 280 Beschäftigte – hauptsächlich Ingenieure und Redakteure – tätig sind, ist das Vertrauen in ihre Unabhängigkeit und die Seriösität der durchgeführten Tests. Garant für ersteres soll der komplette Verzicht auf Anzeigen in den Publikationen der Stiftung, den monatlich erscheinenden Magazinen test und finanztest, sein. Dafür erhält das Unternehmen einen jährlichen Zuschuß von sechs Millionen Euro. Den Rest ihres Gesamtetats von knapp 50 Millionen Millionen Euro muß sie selbst erwirtschaften. Kein einfaches Unterfangen, da auch die Zeitschrift test in den vergangenen Jahren nicht von den branchenüblichen Einbrüchen verschont blieb und momentan eine durchschnittliche Verkaufsauflage von 545000 Heften pro Monat hat. Anfang der 90er Jahre waren es bis zu 900000. Die Stammleserschaft ist stark überaltert, und die Konkurrenz des Magazins Ökotest tut ein übriges. Durch ein kostenpflichtiges Internetangebot versucht man, neue Leserkreise zu erschließen. Auch die Herausgabe von Broschüren und Büchern dient diesem Ziel. Noch befinde man sich nicht in akuter Finanznot, heißt es. Aber weitere Einbußen könnten kaum ohne Qualitätsverluste kompensiert werden. Dabei geht der Einfluß der Stiftung weit über den Leserkreis hinaus, da sich nahezu alle Medien mehr oder weniger regelmäßig mit den Testergebnissen beschäftigen.
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http://www.jungewelt.de/2009/01-30/001.php






