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Bank = Ausbeutung

Irgendwie weiß man alles, und irgendwie reicht das nicht: »Let’s make money«, der neue Dokfilm von Erwin Wagenhofer

Im Land der notorischen Nicht-gewußt-haben-Woller kommt natürlich alles wieder mal gänzlich unerwartet. Menschen brechen vor Bankgebäuden zusammen, stürmen die Sparkassen und hatten selbstverständlich keine Ahnung, daß mit ihren Groschen wie blöde spekuliert wird. Schuld an der Misere, ganz klar, sind die Bankmanager.

Erwin Wagenhofers »Let’s make money« kommt nicht einfach, wie jetzt alle in verzücktem Gruseln aufschreien, gerade »zur rechten Zeit«. Vielmehr traut er sich auszusprechen, was jeder hätte wissen können. Er stellt Fragen, die jeder, der auch nur einen Cent zum Kreditinstitut trägt, stellen sollte. Das Bemerkenswerte daran ist, daß Wagenhofer trotz geradezu vorbildlich marxistischer Herangehensweise selbst vom bürgerlichen Feuilleton ans Herz gedrückt wird. Das hat er ehrlich gesagt nicht verdient. Doch nachdem er mit »We feed the world«, einem der erfolgreichsten Kino-Dokfilme überhaupt, all den bourgeouisen Gourmets anschaulich vorgeführt hat, daß politisch korrektes Essen auch besser schmeckt, nimmt man ihn ernst.

Der Werbespruch, welcher geradewegs in die gegenwärtige Krise führte, lautet: »Lassen Sie Ihr Geld arbeiten!« – für Wagenhofer ein »unfaßbarer Schwachsinn«. Mit einer von ihm entwickelten und perfektionierten Methode des politischen Dokumentarismus geht er vor wie weiland Professor Crey: »Da stelle mer uns mal janz dumm und fragen, wat issen ene Dampfmaschin.« Wagenhofer fragt »dumm«, wie Geld etwas machen könne, das doch Mensch, Tier oder Maschine vorbehalten sei. »Wir wollten uns anschauen, wie das konkret aussieht: Was passiert, wenn unser Geld, das Kapital, arbeiten soll? Meistens funktioniert das über Ausbeutung, das war der Ausgangspunkt.« Und so begibt sich Wagenhofer – wie immer im Mini-Team mit Assistentin Lisa Ganser – auf die Spur unseres Geldes, naiv und gewitzt, akribisch und schonungslos.

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http://www.jungewelt.de/2008/10-30/007.php

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