Deutschland rückt nach links, warnen unisono Bild und FAZ: Wie sich die Medien nach den Linke-Wahlerfolgen in Hessen und Niedersachsen um die Zukunft des Landes sorgen
Hessens Postboten haben dieser Tage viel zu tun, es werden fleißig Briefe verschickt. Der Einzug der Linken in den Landtag in Wiesbaden macht die Regierungsbildung schwer. CDU wie SPD sind im neu gewählten Parlament mit jeweils 42 Sitzen vertreten und beanspruchen für sich das Amt des Ministerpräsidenten. Eine Mehrheit für Roland Kochs CDU plus FDP allein gibt es nicht, Herausforderin Andrea Ypsilanti bringt die SPD nur mit den Grünen auch nicht an die Landesspitze. Sicher scheint nur soviel: Mit den offensichtlichen Gewinnern vom Sonntag will keiner. Noch mehr, die Linken werden als Schmuddelkinder der Nation in die Ecke gestellt. Noch-Ministerpräsident Koch erklärte am Dienstag, er wolle mit allen Parteien außer den Linken über eine Regierungsbildung sprechen und habe alle in einem Schreiben zu einem Gespräch eingeladen.
Post gab’s auch von der SPD. Ypsilanti lud am Dienstag offiziell die Grünen und die FDP zu Gesprächen ein. Die Sozialdemokraten streben eine Ampelkoalition in Hessen an, die von den Wirtschaftsliberalen dort allerdings strikt abgelehnt wird. Einmal mehr bekräftigte die SPD-Spitzenfrau, mit der Linkspartei werde es »keine Zusammenarbeit« geben.
Mit ganzen 17 Abgeordneten, elf in Niedersachsen und sechs in Hessen, zieht Die Linke in zwei westdeutsche Landesparlamente ein. Doch im Blätterwald geht die Angst um. Spiegel online konstatiert, nach den Wahlerfolgen in Hessen (5,1 Prozent) und Niedersachsen (7,1 Prozent) sei die Partei endgültig im Westen angekommen. »Ein Erfolg Oskar Lafontaines, jubeln seine Anhänger. Nur was sie damit anfangen wollen, ist den künftigen Abgeordneten noch unklar. Ypsilanti wählen? Die Reichen schröpfen?« Ja, per Swimmingpool-Steuer, wie die Hamburger kolportieren. Die gutdotierten Schreiber an der Elbe gehen fest davon aus, daß Die Linke bei den Bürgerschaftswahlen in ihrer Stadt am 24. Februar ebenfalls mühelos die Fünf-Prozent-Hürde nehmen.
mehr in der junge Welt:
http://www.jungewelt.de/2008/01-30/061.php