Reibach mit Strom
Preiserhöhungen führen zu Mehrbelastungen von bis zu 200 Euro pro Jahr und Haushalt. Verbraucherzentralen fordern Spar-Standards
Deutschlands Stromkonzerne wollen es wissen. Nachdem im Sommer Vattenfall den Anfang gemacht hat, wollen nun auch E.on und RWE die Preise für Strom und Gas kräftig erhöhen. Um bis zu 9,9 Prozent soll zum Jahresende die Kilowattstunde (KWh) elektrischer Energie mehr kosten, der Gaspreis soll um 3,4 Prozent (E.on Thüringer Energie) bis 8,8 Prozent (E.on Westfalen Weser) ansteigen. Es wird erwartet, daß auch die kleinren Energieversorger ihre Preise anheben. Auf einen vierköpfigen Haushalt, der sowohl Strom als auch Gas bezieht, kommen so jährliche Mehrausgaben von 100 bis 200 Euro zu.
Um ein Drittel teurer
Damit setzt sich ein Teuerungstrend fort, der seit der sogenannten Liberalisierung der Strommärkte Ende der 1990er Jahre anhält. Das Statistische Bundesamt hatte bereits im Januar 2007 festgestellt, daß »der Durchschnittserlös für Strom … in Deutschland innerhalb von fünf Jahren um rund ein Drittel gestiegen« ist. E.on-Chef Wulf Bernotat machte zu Wochenbeginn für die Preiserhöhungen »den Staat« verantwortlich, der Stromsteuer, Mehrwertsteuer und Konzessionsabgaben erhebe. Allerdings ist in den Zahlen der Bundesstatistiker die Erhöhung der Mehrwertsteuer noch gar nicht eingerechnet. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wies außerdem darauf hin, daß 30 bis 40 Prozent der Stromkosten Gebühren für die Netznutzung sind. Die fließen bei den Stromkonzernen von der einen in die andere Kasse, da die Netze im Besitz ihrer Tochterunternehmen sind.
Auch die erneuerbaren Energien müssen bei Bernotat mal wieder als Argument für Preiserhöhungen herhalten. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz verpflichtet die Stromkonzerne, den aus Wind, Sonne, Geothermie und Biogas erzeugten Strom zu gestaffelten Festpreisen abzunehmen. Bundesweit wurde für Energie aus diesen Quellen 2006 5,5 Milliarden Euro bezahlt. Das waren rund 3,2 Milliarden mehr, als wenn der durchschnittliche Preis zugrunde gelegt worden wäre. Auf der anderen Seite wirkt aber ein zeitweise hohes Angebot an Windenergie an der Strombörse in Zeiten des Spitzenverbrauchs preisdrückend, weil dann besonders teure Reserveanlagen nicht zum Einsatz kommen müssen. Das Bundesumweltministerium beziffert diesen Effekt für 2006 mit rund fünf Milliarden Euro. Demnach würde insgesamt der Ökostrom sogar die Stromrechnung entlasten.
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http://www.jungewelt.de/2007/10-17/046.php






