Zukunftsaussicht Armut
Jedes vierte Kind lebt in Deutschland auf oder unter dem Niveau von Hartz IV
Spätestens seit dem im Frühjahr 2005 vorgelegten zweiten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ist weiten Teilen der Öffentlichkeit bewußt, daß sich (Kinder-)Armut nicht nur in der Dritten Welt, sondern auch hierzulande ausbreitet. Dies gilt zumindest, wenn man darunter nicht nur absolutes Elend, vielmehr auch ein relatives Maß an sozialer Ungleichheit versteht, wonach Betroffene daran gehindert werden, sich ihrer persönlichen Fähigkeiten gemäß zu entfalten, sich optimal zu entwickeln und selbstbestimmt am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben teilzunehmen. Während früher hauptsächlich Rentnerinnen von Armut betroffen waren, bilden junge Menschen seit Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre die am häufigsten und am stärksten bedrohte Altersgruppe, weshalb man auch von einer »Infantilisierung der Armut« spricht.
Unterschiede in Ost und West
Kürzlich wurde die deutsche Öffentlichkeit von der Mitteilung aufgeschreckt, daß die Kinderarmut im März 2007 einen traurigen Rekordstand erreicht hat – ausgerechnet auf dem Gipfelpunkt eines Wirtschaftsaufschwungs, den Politiker der Koalitionsparteien und Massenmedien als Wunderwaffe im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit feiern. Wie das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe errechnete und die Bundesagentur für Arbeit bestätigte, lebten im März 2007 von den 11,44 Millionen Kindern unter 15 Jahren, die es in der Bundesrepublik gibt, über 1,928 Millionen in Hartz-IV-Haushalten. Offenbar geht die konjunkturelle Belebung auf dem Arbeitsmarkt vor allem an den Alleinerziehenden, meist Frauen, vorbei. Weil – hauptsächlich im Westen – öffentliche Kinderbetreuungseinrichtungen fehlen und die Unternehmer am flexiblen Einsatz von Müttern zweifeln, scheinen sie bei der Einstellung neuer Mitarbeiter eher auf andere Bewerber zurückzugreifen.
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