Abbau Ost in der Heide
In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wehrt sich eine ganze Region gegen das Bombodrom. Heute Vorentscheidung des Verwaltungsgerichts
Vor dem Potsdamer Verwaltungsgericht geht am heutigen Dienstag der Kampf der Anwohner des sogenannten Bombodroms im Norden Brandenburgs in eine neue Runde. Dort, in der Nachbarschaft der Kyritz-Ruppiner Heide, wehren sich seit mehr als 15 Jahren Bürger, Tourismusbetriebe und Lokalpolitiker gegen die Einrichtung eines Luft-Boden-Schießplatzes durch die Bundeswehr. Das Gericht hat über drei Musterklagen von Anwohnern zu befinden. Eingereicht haben sie die mecklenburgische Gemeinde Lärz, das Seehotel Ichlim bei Sewekow sowie eine Putenfarm in Gühlen-Glienicke. Während sich die Gemeinde gegen die Eingriffe in ihre Planungshoheit wehrt, klagen die beiden Betriebe gegen die Gefährdung ihrer wirtschaftlichen Existenz durch Bombenabwürfe und Tiefflüge in ihrer Nachbarschaft.
Kriegsübungsgelände
Das strittige Areal hat eine Größe von 144 Quadratkilometern, was einem Sechstel der Fläche Berlins entspricht, und liegt südlich der mecklenburgischen Müritz zwischen den Städtchen Wittstock, Rheinsberg und Neuruppin. Die karge Heidelandschaft wurde zuletzt von der Roten Armee als Truppenübungsplatz genutzt. Nach deren Abzug meldete das Bundesverteidigungsministerium Ansprüche an. Schon Anfang der 90er Jahre hatte man die Abkehr vom bloßen Verteidigungsauftrag der Bundeswehr fest im Blick und suchte nach einer geeigneten Fläche, auf der die deutschen Bomber- und Kampfjet-Piloten auch im Inland für den Einsatz in aller Welt trainieren können. Entsprechend hartnäckig haben seit 1992 die verschiedenen CDU- und SPD-Verteidigungsminister das Projekt durch alle gerichtliche Instanzen verfolgt.
Derweil können die Kläger, über deren Eingaben gegen das Projekt heute in Potsdam befunden wird, zu Hause auf breite Unterstützung rechnen. Zum Teil schon seit vielen Jahren organisieren die brandenburgische Bürgerinitiative Freie Heide, die mecklenburgischen Aktionsgemeinschaft Freier Himmel sowie der Unternehmervereinigung Pro Heide die Proteste gegen den Übungsplatz. Die Initiativen, die nahezu die gesamte betroffene Bevölkerung hinter sich haben, argumentieren nicht nur gegen die kriegerische Politik, die den Hintergrund der geplanten Nutzung durch die Bundeswehr bildet. Sie verweisen auch auf die erheblichen wirtschaftlichen Nachteile, die der Region drohen.
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