Zum bevorstehenden Energiegipfel im Kanzleramt
Die Zeichen sind kaum noch zu übersehen. Rund um den Globus reißen die extremen Wetterereignisse nicht ab. Im südlichen Mittelmeerraum kletterte diese Woche die Quecksilbersäule mancherorts auf weit über 40 Grad Celsius, und in Deutschland waren die zurückliegenden zwölf Monate gleich um rund drei Grad zu warm. So sehr war bisher noch nie ein Jahr aus der Reihe getanzt. Der Juni, berichtet der Wetterdienst, war hierzulande bereits der zehnte Monat in Folge, der viel zu warm ausfiel. Ein Novum für die Meteorologen, deren flächendeckende Daten bis 1901 zurückreichen.
Fast täglich belegen neue Studien dreierlei: Der Klimawandel ist im vollen Gange; er wird besonders die ärmeren Staaten extrem hart treffen, jedoch auch in den Industrieländern schwerste Wirtschaftskrisen auslösen; aber Schlimmeres ist noch zu verhindern, wenn wir die knapp werdende Zeit nutzen.
Gemessen daran sind die Ziele der Bundesregierung ziemlich bescheiden und alles andere als ausreichend. Dennoch erhebt sich derzeit im Vorfeld des »Energiegipfels«, einer für Dienstag angesetzten Kungelrunde im Kanzleramt, lautes Geschrei. Das Ziel, jährlich die Energieeffizienz der Volkswirtschaft um drei Prozent zu erhöhen, sei unrealistisch, tönt es vom Verband der Stahlindustrie. Man entblödete sich nicht, mit Abwanderung zu drohen. Vermutlich werden in Duisburg schon die Hochöfen auf ein paar Lkw verladen, um sie mal eben nach Indien zu fahren. Auch die großen Stromkonzerne fühlen sich diskriminiert. Zu viel Klimaschutz gefährde mit hohen Energiepreisen den »Standort Deutschland«, heißt es.
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