IM Mitbestimmung
Siemens kauft sich eine Gewerkschaft
Unabhängigkeit ist ein hoher Wert des freien Westens, schon deswegen, weil im Osten alles und jeder abhängig war – vom Russen, vom Marxismus, vom Alkohol, vom Totalitarismus und von KGB, Stasi etc. Erst als die freie Welt eingriff, gab es fast über Nacht vor 25 Jahren unabhängige Gewerkschaften, unabhängige Friedensbewegungen, unabhängige Köpfe im Gegensatz zu denen voll stalinistischem Beton. Die Unabhängigen hatten alle rein zufällig dieselbe Meinung wie die Tagesschau, der Spiegel oder die Pastorin Vollmer. Wenn sich ein deutscher Konzern wie Siemens eine Geheimorganisation aufbaut, liegt es nahe, sie z. B. Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsräte (AUB) zu nennen. Das klingt adrett, für westliche Werte und den Chef-IM des Konzernvorstands gibt es ein paar Milliönchen. Mit denen wird man unabhängig von der IG Metall und läßt seine Puppen tanzen. Die ahnen angeblich von nichts und tun das – wie am Mittwoch geschehen – auch noch der Öffentlichkeit kund. Motto: Wir wurden belogen und betrogen. Allerdings nicht 40 Jahre lang, wie 30jährige DDR-Bürgerrechtler 1989 vermerken konnten. In der Bundesrepublik ist – wie im Doping – alles einfacher, klarer und nicht flächendeckend wie im Unrechtsregime. Es dauerte nur 32 Jahre, bis ans Licht kam, daß da Betriebsratswahlen mehrerer Jahrzehnte in der Pfeife geraucht werden können. Sie wurden für – laut Staatsanwaltschaft – insgesamt 34 Millionen Euro gefälscht. Die IG Metall hat deswegen Anfang April Strafanzeige erstattet. Von sich aus wurde die Justiz offenbar nicht tätig.
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